Leserbrief: Fehlen uns die richtigen Infos?

Zum Leserbrief „Wohlstand sichern“ vom 15. Februar

CDU-MdL Karl Zimmermann bedauert, dass „die breite Öffentlichkeit“ bislang nicht die Zielsetzung eines Regionalen Vorhaltestandorts auf dem Hungerberg erkannt hat. Vielleicht liegt dies einfach daran, dass das Vorhaben nicht dazu angetan ist, die Menschen vor Ort zu überzeugen! In einem Papier des Verbands Region Stuttgart heißt es: „In der Region Stuttgart besteht ein Defizit an baureifen Flächen, die für größere und gegebenenfalls emissionsträchtige Gewerbe- und Industrievorhaben geeignet sind.“ Konkret heißt das doch: Dieser Standort kann mächtig Lärm und Gestank erzeugen – neben zusätzlichem Logistik- und Pkw-Verkehr. Hat man dies den Bürgerinnen und Bürgern in Nabern, im Guckenrain und im Kirchheimer Süd­osten auch gesagt? An anderen, weniger exponierten und sensiblen Stellen in der Region gibt es dagegen über 120 Hektar grundsätzlich geeignete Gewerbeflächen, die jeweils größer als 20 Hektar sind – wozu dann hier, eh schon dicht besiedelt, neben Bohnau Süd ein weiteres großflächiges Industrierevier? Grüne und Linke in der Regionalversammlung wie auch hier im Gemeinderat haben daher diesen Vorhaltestandort abgelehnt, leider aber keine Mehrheit gefunden. Und „ … dass unsere Region vom Automobilstandort zum neuen Ruhrgebiet mutiert“, ist sein erhobener Zeigefinger an alle, die nicht der CDU-Linie folgen. Brennstoffzellen können aber – da offensichtlich laut Herrn Haußmann 10 bis 20 Hektar reichen – wohl auch an anderen Standorten in der Region gefertigt werden. Menschen wollen sinnvolle Lösungen! Klar ist nur eines: Ein Vorhaltestandort Hungerberg wäre (siehe Bohnau) der Einstieg in das Ende einer Kultur-, Natur- und stadtnahen Erholungslandschaft. Für Viele scheint dies eher ein Verlust an Wohlstand zu sein. Lieber „Kirchheim unter Teck“ als Kirchheim am neuen Industrie­revier!
Jürgen Lewak, Kirchheim

Leserbrief: Warum am Hungerberg?

Zum Leserbrief „Weil Zukunft Fläche braucht“ vom 27. März 

Neben manch durchaus richtigen Aussagen krankt auch dieser Leserbrief zugunsten des Vorhaltestandorts „Hungerberg“ an vereinfachenden, pauschalisierenden Aussagen, die zudem alle die Kernfrage nicht lösen: Warum kann angeblich eine Brennstoffzellenproduktion in der Region, ja sogar „im ganzen Ländle“, nur hier und nirgendwo anders als am Dettinger „Hungerberg“  entstehen? Diese Frage ist bislang von keinem Leserbriefschreiber, Gemeinde- oder Regionalrat beantwortet worden. Die Bürgerinitiative gegen die Bebauung dieses Standorts ist doch nicht gegen Brennstoffzellentechnik, sondern vertritt die Ansicht, dass keine großflächigen (42 ha!) wertvollen Acker- und Erholungsflächen geopfert werden dürfen – vor allem nicht in unserem ohnehin dicht besiedelten Raum. „Bohnau-Süd“ mit 21 ha sind bereits zu viel! Daher ist schon der Ansatz von Herrn Crescente, „Weil Zukunft Fläche braucht“ zu pauschal und damit falsch, weil im Gegenteil unsere Generation schnellstens aufhören muss, weiterhin gute Böden zu versiegeln! Daimler-Benz (Pkw-Sparte) macht es in seinem Werk in Untertürkheim doch vor, wo die neue Batteriezellenproduktion zu Lasten von Teilen der Motorenproduktion ohne zusätzlichen Verbrauch an Böden realisiert wird! Daimler Trucks produziert LKWs in Wörth bei Karlsruhe – welchen Sinn gibt dann ein Brennstoffzellen-Standort im äußersten Osten unserer Region, mit Transporten immer durch den A8-Stauschwerpunkt Stuttgart? Mit noch mehr Lärm, noch mehr Abgasen! Betriebswirtschaftlich gibt das doch nur „Sinn“, wenn der neue Flächen-Eigentümer am „Hungerberg“ diese zum Schleuderpreis erhält! Müssen wir BürgerInnen auch dem zustimmen? Wir meinen: Nein!

Heike Bittermann, Kirchheim

Leserbrief: Alternative Fakten

Zum Leserbrief „Jeden Tag 500 Autos weniger“ vom 11.03.2021

Alternative Fakten – ein Begriff den die frühere Beraterin von Trump erfunden hat. Das heißt, Gefühle und Gerüchte als Tatsachen auszugeben, sich die Welt so hinzubiegen, wie es einem gefällt. Von Herrn Falkenstein wird alles so dargestellt, als ob die Marke mit dem Stern schon beschlossen hätte, ihre bisherigen Standorte aufzugeben und nach Dettingen zu ziehen. Gibt es da etwas, was wir anderen Bürger noch nicht wissen? Und wie ist die Argumentation zu verstehen, dass 500 Autos täglich weniger nach Stuttgart fahren? Könnte es nicht sein, dass dafür 500 Autos mehr nach Dettingen fahren? Und ja, es gibt schon Wasserstoffautos auf dem Markt zu kaufen. Für Mitarbeiter von Unternehmen die sich mit neuen Technologien befassen könnte man auch annehmen, dass diese mit der neuen Technik CO2-neutral unterwegs sind und die Ökobilanz der Abgase ganz anders aufzustellen ist. Und dann tauschen wir einfach 46 ha unberührte Natur gegen 30 ha bereits voll erschlossene und funktionsfähige Industriefläche in Stuttgart. Welche Ökobilanz wird hier angesetzt? Lässt sich bereits Bestehendes einfach so und ohne großen Energieeinsatz zu 100% recyceln? Wir sollen den für die Region wichtigen Grünzug gegen eine grüne Lunge Stuttgart tauschen? Ich kann den Argumenten als Bewohner der Region nicht folgen. Und die von Herrn Falkenstein beschriebene „Umgehungsstraße Bohnau Süd“ ist für die Anwohner, die durch Autobahn, ICE-Trasse und Industriegebiet bereits genug gestraft sind genau die richtige Argumentation, sich erst recht gegen die Entwicklung des Hungerberges zu stellen. Am Rande erwähnt: die Bevölkerung in Deutschland wächst kaum – und allein in BW werden jeden Tag 4,8 ha (2019) an Fläche verbraucht. 

Michael Schweikert, Kirchheim

Leserbrief: Rhetorische Taschenspielertricks

Große Worte rund um die eigenen Ansprüche von Transparenz und Ergebnisoffenheit tönten bei der „Zukunft im Dialog“. Was folgte waren lediglich rhetorische Taschenspielertricks.

In einer Hypothese wird angenommen, dass Dettinger Pendler täglich die Strecke des Äquators zurücklegen. Gleichzeitig wird das mit einer Milchmädchenrechnung hingedreht, als ob durch den Gewerbeschwerpunkt diese Strecke wegfällt.

Eine von drei Kurven der Bevölkerungsentwicklung zeigt bedrohlich nach unten zur Null-Linie und suggeriert ein Aussterben Dettingens. „Man muss jetzt was machen, um das abzuwenden!“ wird beschworen, wobei das Diagramm lediglich Schwankungen von 250 Einwohner abbildet.

Bei der „grünen Brennstoffzelle“, die dort entwickelt werden soll, wissen entweder die Experten nicht, dass die Herstellung des benötigten Wasserstoffs nur mit Import des extrem klimaschädlichen fossilen Methans funktioniert, oder sie sagen es nicht.

Einseitig werden Artenschutz und Folgen für die Kaltluftströmung nur für den Fall einer Bebauung untersucht. Wie sich die Population bei der eigentlich geplanten Renaturierung entwickelt und ob günstige Folgen für die Kaltluftströmung entstehen, wurde entweder erst gar nicht betrachtet oder bewusst ausgelassen.

Dass man hier von einer Erweiterung um 25% der bebauten Fläche Dettingens redet, die die besten Ackerböden vernichtet, dass ein Großteil der Grundeigentümer nicht mitmacht und die Konsequenzen der Ansiedlung einer hochspezialisierten Technologie für die prekären Immobilienpreise würde ernst gemeinte Transparenz nicht verschweigen.

Das einzig objektive, was man an diesem Abend feststellen konnte, war Herr Hausmanns sonderbares Verständnis von Dialog: Bei einem Redeverhältnis von 105 zu 15 Min. war das kein offener Bürgerdialog, sondern ein „Verwaltungsmonolog“.

Manfred Häfele, Dettingen

Leserbrief: 42 Hektar für die Zukunft?

Zur Berichterstattung „42 Hektar stehen für die Zukunft bereit“ vom 18. November und dem Leserbrief von Herrn Hohler am 23. Dezember

Herr Hohler spricht mir voll und ganz aus der Seele, wenn er in seinem Leserbrief die Entscheidung für das geplante interkommunale Gewerbegebiet als „unzeitgemäß“ bezeichnet. Dieses soll auf dem Dettinger Hungerberg südlich der Autobahn als Fortsetzung des Gewerbegebiets Bohnau Süd entstehen. Durch die Lage auf der Anhöhe zerstört es nachhaltig das Landschaftsbild in Richtung Teck, das bisher äußerst reizvoll ist. Hinzu kommt, dass aus eben dieser Richtung nachts erfrischende Kaltluft von der Alb nach Kirchheim einströmt – bislang jedenfalls. Zukünftig werden die Bewohner von Kirchheim zu nächtlicher Stunde mit frischen Industrieabgasen beglückt.

Das vorgesehene Gebiet wird nicht nur von Landwirten für die regionale Lebensmittelproduktion genutzt, sondern täglich auch von vielen Erholungssuchenden. Wer dort zu ruhigeren Zeiten unterwegs ist, kann neben vielen Vögeln auch Rehe in Gruppen beobachten. Angesichts der Tatsache, dass Landfläche in unserer Region ein knappes Gut geworden ist, kann ich in dieser Entscheidung beim besten Willen keine zukunftsorientierte Politik ausmachen. Mir fehlt hier die nachvollziehbare Abwägung zwischen „lebenswerter Umwelt“ und „wirtschaftlichem Erfolg“. Darüber kann auch der Vorsatz, hier nur Firmen mit sogenannten Zukunftstechnologien zulassen zu wollen, nicht hinwegtäuschen.

Nach meiner persönlichen Einschätzung muss die getroffene Entscheidung nicht endgültig Bestand haben. Der Flächennutzungsplan 2035 wird vom 11.01. bis 12.03.2021 öffentlich ausgelegt. Jeder Bürger hat die Möglichkeit, die Pläne einzusehen und eine Stellungnahme abzugeben. Ich kann nur dazu ermuntern, dieses Recht wahrzunehmen und sich für eine lebens- und liebenswerte Umgebung einzusetzen.

Joachim Gübele, Kirchheim

Leserbrief: Reduzierung auf 21 Hektar als Mogelpackung

Zum Artikel „Die massive Kritik zeigt Wirkung“ vom 3. Februar

Die am vergangenen Mittwoch großartig angekündigte Reduzierung von 42 auf 21 Hektar entpuppt sich bei genauem Hinschauen als einfache Mogelpackung. Zunächst sollen im Flächennutzungsplan zwar „nur“ 21 Hektar eingeplant werden, allerdings mit der Option später bei Bedarf in weiteren Schritten nachzulegen. Die Begründung des Dettinger Gemeinderats ist u.a., dass man mit diesem Vorgehen die Akzeptanz bei der Bevölkerung erhöhen möchte. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass hier auf einer weithin sichtbaren Anhöhe ein Gewerbegebiet entstehen und in späteren Schritten weiter wachsen soll. Damit würde nicht nur das sehr schöne Landschaftsbild dauerhaft zerstört, sondern auch ein Gebiet zur Naherholung. Hinzu kommt, dass dieses Gebiet im Bereich der Kaltluftzufuhr für Kirchheim liegt. Diese Problematik war bereits ein schwergewichtiges Argument gegen die ursprünglich geplante „Huckepack-Lösung“  der Schnellbahn-Trasse. Damals sollte die Bahnstrecke auf Stützen auf die Autobahn aufgesetzt werden, was dann aber aufgrund des Widerstandes wieder verworfen wurde.

Ich kann nur hoffen, dass der Gemeinderat nochmals über die weitreichenden Konsequenzen für Kirchheim nachdenkt und die Zustimmung zur Grundsatzvereinbarung des strategischen regionalen Vorhaltestandorts verweigert. Ansonsten könnte es passieren, dass Kirchheim in Zukunft einen unrühmlichen Bekanntheitsgrad erreicht, nämlich als die Stadt, die ohne zwingenden Grund ein weithin bekanntes sehr schönes Landschaftsbild mit der Teck im Hintergrund zerstört hat.

Joachim Gübele, Kirchheim

Leserbrief: Die Bürger müssen befragt werden

Zum geplanten Gewerbegebiet „Dettinger Hungerberg“

Herr Kiefer schreibt in seinem Leserbrief vom 4. März, dass er den Überblick über all die Leserbriefmeinungen verloren hat. Angesichts der vielen unterschiedlichen Leserbriefe ist das auch nicht verwunderlich. Eines lässt sich aus dieser vielfältigen Beteiligung jedoch ganz klar erkennen: Das geplante riesige Gewerbegebiet bewegt die Bewohner der Region intensiv. In den zurückliegenden Wochen habe ich mich mit vielen Anwohnern unterhalten. Bei allen herrscht großes Entsetzen darüber, was unsere Gemeinderäte da über unsere Köpfe hinweg durchsetzen möchten. Natürlich wurden die Gemeinderäte demokratisch gewählt. Das gibt diesem Gremium jedoch nicht das Recht, aus unserer schönen Stadt inmitten einer sehr schönen landwirtschaftlich geprägten Region eine hässliche, lärmende und stinkende Industriezone zu machen. Dieses Mandat haben die Gemeinderäte bei der letzten Wahl nicht automatisch mitbekommen. Andere Kommunen in der Region Stuttgart, in denen zuvor wegen eines Gewerbegebiets dieser Größe angefragt wurde, haben angesichts der Ablehnung in der Bevölkerung NEIN gesagt. Wir sollten jetzt nicht die Rolle des „gutmütigen Dorftrottels“ spielen und dies alles über uns ergehen lassen. Ich fordere deshalb von unseren Bürgermeistern mit Gemeinderäten, dass in diesem wichtigen Thema die Bürger befragt werden. Nur so kann verhindert werden, dass es zu einem langfristigen Bruch zwischen Bewohner und Gemeinderäten kommt.   

Joachim Gübele, Kirchheim