Schon gewusst…? Umwelt

Schon gewusst…?

Die Ackerböden auf dem Hungerberg sind die besten Dettingens

Die Baustelle entlang der A8 soll eigentlich renaturiert werden. Dies hätte eine größere Population und Artenvielfalt zur Folge.

Dass dort aktuell weniger schützenswerte Tiere siedeln, als vor Baubeginn, ist klar…

…mit der Baustelle daneben!

Das klimatologische Gutachten zu den Auswirkungen des Gewerbegebiets Hungerberg wurde spätestens im September 2020 beauftragt …

…und ist nun lediglich auf Anfrage und Terminvereinbarung der Öffentlichkeit zugänglich. Zu einer breiten Veröffentlichung z.B. auf der Internetseite, kam es bislang nicht.

Lediglich 8% der derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche soll ersetzt werden. Der Rest geht verloren.

Grund: Es wurden bislang nur Eigentümer nach Austauschflächen gefragt. Landwirte, die dort Flächen gepachtet haben, verlieren also ihre Fläche, wenn der Eigentümer keine Tauschfläche will.

Gutachten von Herrn Dr. Wulf Gatter zum Thema Artenschutz und Ökologie

Dankenswerterweise hat uns Herr Dr. Wulf Gatter (Infos zur Person) das von ihm erstellte Gutachten zum Artenschutz und zur Ökologie aus dem Jahr 2009 bereitgestellt. Es zeigt die Artenvielfalt und Bedeutung des Gebietes ohne Baustelle und ist damit weit treffender als die von Prof. Küpfer angestellten Untersuchungen aus 2019, die mitten während der Bauphase entstanden sind und somit nicht die eigentliche

2009-Dr-Gatter-ICE-GutachtenDettingen09

 FORSCHUNGSSTATION RANDECKER MAAR e.V. 

Vortrag von Prof. Dr. Martin Dieterich

Bereits 1992 hat der BUND Kirchheim in seinem Stadtentwicklungskonzept erstmals die Festlegung einer Obergrenze der Überbaubarkeit der Gemarkung gefordert. Eine streng logische und eigentlich für jedermann verständliche Forderung – die Gemarkungsfläche ist sichtbar begrenzt und man kann nicht unbegrenzt immer weitere Stücke davon abschneiden. Dennoch ist die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit der verfügbaren Flächen in Kirchheim in den entsprechenden politischen und Verwaltungsgremien nie erfolgt – so die Aussagen in der letzten gemeinsamen Sitzung der Naturschutzverbände mit Gemeinderatsfraktionen und Verwaltung im November letzten Jahres. In der letzten gemeinsamen Sitzung haben wir erstmals die Forderung auch nach Zielen für die Bevölkerungszahl vorgetragen, weil natürlich der Anstieg der Bevölkerungszahl und Neuausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen Hand in Hand gehen. In der Praxis sind Bevölkerungswachstum und Wachstum der Siedlungsfläche sich gegenseitig aufschaukelnde Prozesse.

Freiflächen dienen nicht nur der Erholung, sondern primär der landwirtschaftlichen Nutzung und damit der Produktion von Nahrungsmitteln. Der Vorteil kurzer Verarbeitungswege, von regionalen Produkten und regionaler Produktion wird aktuell und völlig zurecht im Zusammenhang mit der Corona-Krise wieder verstärkt diskutiert. Die Produktion von Nahrungsmitteln braucht Böden. Wohn- und Gewerbegebiete zerstören Böden und damit die Grundlagen für Landwirtschaft. In Deutschland ermöglichen das Zusammenspiel von günstigem Klima und günstigen Bodenbedingungen optimale Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche Produktion. Wir gehören im globalen Maßstab zu den besten Produktionsstandorten für Nahrungsmittel und uns fällt nichts Besseres ein, als eben diese Standorte zu betonieren und zu asphaltieren! Wir betonieren und asphaltieren die besten Böden und importieren gleichzeitig Nahrungs- und Futtermittel in einem eigentlich dramatischen Umfang – ethisch völlig inakzeptabel. Nicht nur deshalb ist die Erhaltung von Böden und Freiflächen alternativlos – dies ganz im Gegensatz zur Ausweisung von Gewerbegebieten im Außenbereich! Das was ich mit dem Hungerberg wahrnehme, war für mich bis vor einem Jahr unvorstellbar, nämlich der Rückfall in die 1970iger Jahre in Bezug auf den Flächenverbrauch mit den immer gleichen und anscheinend nie überholten Argumenten – wir dürfen uns neuen Techniken nicht verschließen und dafür braucht es Fläche. Immer dieselbe Platte höre ich seit über 40 Jahren. Derzeit dann noch gewürzt mit Öko – wir dürfen uns neuen Techniken für den Klimaschutz nicht verschließen und dafür braucht es angeblich unbebaute Fläche. Man würde sich im Sinne einer Obergrenze der Bebaubarkeit freuen, wenn die Protagonisten der entsprechenden Uraltargumente auch irgendwelche Lösungsvorschläge für die Probleme hätten – haben sie aber nicht, wird ignoriert und verdrängt. Der immer vorgetragene und nachhaltig nicht zu befriedigende Flächenbedarf war und ist nie wirklich nachgewiesen. Ist der Bedarf objektiv geprüft, sind Alternativen im Bestand objektiv geprüft? Mir wäre kein solcher Fall wirklich bekannt! Dies vor dem Hintergrund, dass die Überbauung von Freiflächen in jeder Beziehung einträglicher ist, als das Flächenrecycling im Bestand. Ist Flächenrecycling vor allem auch deshalb nicht gewollt, weil sich so viel weniger damit verdienen lässt? Weiterer Flächenverbrauch ist nicht alternativlos, eine Fortschreibung der bisherigen Politik der Flächennutzung ist rational nicht darstellbar und ethisch verwerflich. Ein Stopp dem Flächenfraß, also kein weiterer Flächenverbrauch ist alternativlos! 

Vor dem Hintergrund der aktuellen flächenzehrenden Planungen sehen die Naturschutz- und Umweltverbände in Kirchheim – und ich denke ich spreche hier auch für den NABU -die Mobilisierung der Bürger gegen diesen einem kurzfristigen Denken entspringen Irrsinn mit Namen „Vorhaltestandort Hungerberg“ als einzige Möglichkeit. Dieser Mobilisierung im Hinblick auf die Gewerbeflächen am Hungerberg dient der heutige Abend. Ziel des Abends ist es, dass sich Bürger auch außerhalb der Verbände finden, die bereit sind sich gegen die laufenden Planungen zu engagieren. Nahziel ist dabei sicherlich zunächst die Verhinderung des Gewerbestandorts am Hungerberg. Fernziel im Idealfall der verantwortungsvolle Umgang mit der nicht erneuerbaren Ressource Boden im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Kirchheim – Dettingen – Notzingen.

Prof. Dr. Martin Dieterich ist Agrarökologe an der Universität Hohenheim